D&D Audit

Analyse

Vom B/L zur Standgeldrechnung: wo die Tage verschwinden

Veröffentlicht: 2026-09-02

Geschrieben von Natys Vytautas, Geschäftsführer der UAB NVGroup.

Konnossement (B/L) und Standgeldrechnung (D&D) wirken wie zwei völlig getrennte Dokumente — das eine wird bei der Verladung ausgestellt, das andere erscheint Wochen später, wenn der Container längst entladen ist. Tatsächlich handelt es sich um denselben Weg, nur sichtbar aus der Perspektive zweier unterschiedlicher Dokumente. Und genau dazwischen, an Punkten, die keines der beiden Dokumente für sich zeigt, verschwinden meist die Tage, die später in Rechnung gestellt werden.

Der Weg des Containers in vier Punkten

Das B/L wird im Verladehafen ausgestellt — es enthält die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA), den Verfrachter und die Route. Dies ist der erste Punkt, an dem man mit der Zeiterfassung beginnen könnte, aber meist tut das niemand, weil das B/L in dieser Phase nur als Eigentums- und Transportdokument dient, nicht als Startpunkt einer Uhr.

Der zweite Punkt ist die tatsächliche Entladung im Bestimmungshafen. Ab genau diesem Datum — nicht ab der ETA, die oft um mehrere Tage von der Realität abweicht — beginnen die meisten Reedereien die vertragliche Freizeit zu zählen. Erfasst ein Unternehmen dieses Datum nicht sofort und erfährt es erst mit Erhalt der Rechnung, hat es bereits die Möglichkeit verloren zu prüfen, ob die Berechnung zum richtigen Zeitpunkt begann.

Der dritte Punkt ist die Abholung des Containers vom Terminal (Gate-out) durch den Empfänger. Zwischen Entladung und Abholung vergehen oft Tage — wegen Terminalauslastung, Zollverfahren oder schlicht Logistikplanung — aber die Freizeituhr läuft bereits, unabhängig vom Grund.

Der vierte Punkt ist die Rückgabe des Leercontainers. Genau dieses Datum, verglichen mit dem Entladedatum, wird zur Grundlage der D&D-Rechnung. Und genau hier entsteht am häufigsten die Abweichung: Das auf der Rechnung angegebene Rückgabedatum kann vom tatsächlichen abweichen, weil das Erfassungssystem des Terminals und das Abrechnungssystem der Reederei nicht immer synchron sind.

Warum diese vier Punkte selten zusammen sichtbar sind

Das Problem ist nicht, dass diese Daten nicht existieren — sie sind verstreut über das B/L, die Gate-Aufzeichnungen des Terminals und die Rechnung der Reederei, meist in unterschiedlichen Formaten, unterschiedlichen Systemen, manchmal sogar in unterschiedlichen Abteilungen desselben Unternehmens. Solange niemand alle vier Daten manuell in einer Zeile zusammenführt, bleibt eine Abweichung zwischen ihnen unbemerkt — die Rechnung wird einfach bezahlt, weil die Prüfung mehr Zeit kosten würde, als sie wert ist.

Wo sich beide Datenquellen treffen

Das Seefracht-Modul von Cargo Intelligence extrahiert automatisch Containernummer, Verfrachter, Route und voraussichtliches Ankunftsdatum aus dem B/L-Dokument bereits bei der Verladung. Die D&D-Prüfung kontrolliert, ob die später eingehende Standgeldrechnung den Vertragsbedingungen und den tatsächlichen Terminaldaten entspricht. Treffen sich diese beiden Datenströme — B/L-Daten vom Anfang, Rechnungsprüfung vom Ende —, entsteht die Möglichkeit, den gesamten Weg des Containers an einem Ort zu sehen, statt darauf zu hoffen, dass jemand vier einzelne Punkte manuell zu einer Linie zusammensetzt.

Das ersetzt nicht die Notwendigkeit echter Terminal-Gate-in/Gate-out-Daten — die enthält das B/L-Dokument selbst nicht. Es bedeutet aber, dass die halbe Strecke bereits automatisch zurückgelegt ist, bevor die Rechnung überhaupt existiert.

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