Analyse
Standgeld — nicht nur für Container: warum auch die Wartezeit von Fahrern unbezahlt bleibt
Veröffentlicht: 2026-09-02
Geschrieben von Natys Vytautas, Geschäftsführer der UAB NVGroup.
Beim Wort "Standgeld" denken die meisten zunächst an Container im Hafen. Aber dasselbe Problem — vertraglich vereinbarte Freizeit, tatsächliche Wartezeit, die diese überschreitet, und eine Entschädigung, die chronisch nicht eingefordert wird — gibt es auch im Straßengüterverkehr. Nur wird darüber seltener gesprochen.
Was es tatsächlich kostet
Eine US-Branchenstudie (American Transportation Research Institute, 2024) ergab, dass die Speditionsbranche allein 2023 15,1 Milliarden US-Dollar durch Fahrer-Standgeld verlor — 11,5 Milliarden durch entgangene Produktivität und 3,6 Milliarden direkte Kosten. Ein einzelner Fahrer verliert dadurch 11.000–19.000 US-Dollar pro Jahr.
Die Zahlen stammen aus dem US-Markt, aber die Struktur ist universell: Ein Fahrer trifft an einer Lade- oder Entladestelle ein, die vereinbarte Freizeit (meist rund 2 Stunden) läuft ab, das Warten geht weiter — aber ein Anspruch auf die Überschreitung wird selten geltend gemacht.
Warum das passiert — dasselbe Muster wie bei Containern
Der Grund ist nicht, dass die Ansprüche unbegründet wären. Der Grund ist administrativ: weniger als 50% der Standgeld-Rechnungen werden tatsächlich bezahlt — nicht weil Verlader sie ablehnen, sondern weil der Fahrer oder Frachtführer den Anspruch selbst mit vollständiger Dokumentation geltend machen muss — Ankunfts- und Abfahrtszeitstempel, unterschriebener Frachtbrief, klarer Nachweis der vertraglichen Freizeit. Genau die gleiche Arbeit, die ein D&D-Prüfer manuell bei Container-Rechnungen leistet — nur macht das hier fast niemand systematisch.
Eine Struktur, die Sie bereits kennen
| Container-Standgeld | Fahrer-Standgeld |
|---|---|
| Vertragliche Freizeit | "Grace Period" (meist ~2 Std.) |
| Gate-in-/Gate-out-Zeitstempel | Ankunfts-/Abfahrtszeitstempel an der Ladestelle |
| D&D-Rechnung der Reederei | Standgeld-Satz im Vertrag mit dem Verlader |
| Unabhängige Datenprüfung | Gleiches Prinzip — unabhängiger Zeitstempelvergleich |
Wo das derzeit steht
Das ist ein Bereich, den wir aktiv untersuchen — wir prüfen, ob und wie sich unsere bestehende Audit-Methodik auf diesen strukturell sehr ähnlichen Fall übertragen lässt. Wenn Ihr Unternehmen regelmäßig mit unbezahltem Fahrer-Standgeld zu tun hat und Sie bereit wären, Ihre Erfahrung zu teilen — welche Dokumentation Sie tatsächlich haben, wie Ansprüche derzeit gehandhabt werden — melden Sie sich bei uns. Ein frühes Gespräch mit echten Frachtführern ist uns wichtiger als Vermutungen darüber, wie dieses Problem von außen aussieht.